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Gewässerexkursion am Ochsenbach (Foto aufgenommen von Volker Söllner)

Schwerpunkt der zweiten Exkursion: Fauna des Ochsenbachs (Gewässerorganismen)

Durch das sehr heiße Sommerwetter zeigt sich das Michelstal nahe Sulzheim sehr trocken. Die Exkursion begann an der Gemeindehalle und ging bachaufwärts zur Quelle. Die Quelle und der zugehörige Quelltopf waren nahezu ausgetrocknet, aufgrund der vorherigen heißen Witterung. Volker Söllner verwies auf den Sachverhalt, dass das Tal durch Austiefung der Vorfluter, speziell durch Ausbaues der Kanalisation, sukzessiv trocken fällt. Das bestehende Gefälle des Grundwassers wird durch die Austiefung vergrößert und damit die Abströmgeschwindigkeit aus dem Tal erhöht. Dieser Entwicklung kann durch Einbau künstlicher Rückstaubereiche entlang des Baches entgegen gewirkt werden.

Im Bereich der Quelle wurde eine recht große Fläche des nassen Schilfbereiches gemulcht. Problematisch erweist sich in diesem Kontext, dass durch die fehlende Entnahme der Biomasse die Fläche sich mit Nährstoffen anreichert. Wünschenswert wäre ein Nährstoffentzug, allerdings kann auf diesen Flächen auch Nährstoffeintrag aus den benachbarten Landwirtschaftsflächen eine Rolle spielen. Trotz der extremen Hitze konnten in der Wiese immer noch winzige Rinnsale und nasse Bereiche gefunden werden, in denen insbesondere Wasserkäfer und Schnecken nachgewiesen wurden. Dies ist um so bemerkenswerter, als der tiefer liegende Bachbereich vollständig trocken war. Gefunden wurden Larven der Kohlschnaken (Tipula sp.) und Waffenfliegen (Stratiomys sp.), und die Leberegelschnecke (Galba truncatula), die auch zeitweise ohne Wasser in Feuchtwiesen überleben kann. Die vorhandenen Köcherfliegenlarven deuteten dagegen auf eine zumindest längere Periode der Wasserführung hin. Besonders zahlreich waren Wasserkäfer wie der Schnellschwimmer (Agabus bipustulatus) und andere nur mit wissenschaftlichem Namen zu bezeichnende Arten (Helophorus cf. aquaticus, Hydrobius sp. u. a.).

Im Anschluss ging es bachabwärts zu dem Weiher. Ein im Frühjahr noch als Laichgewässer des Grasfrosches vorgefundener Tümpel war nun vollständig ausgetrocknet. Trotzdem konnten im feuchten Schlamm noch zahlreiche Tiere gefunden werden, die eine Austrocknung teilweise überstehen. Besonders zahlreich waren der Wasserskorpion (Nepa cinerea), eine mit einem Atemrohr versehen Wanze mit schnappmesserartigen Fangbeinen und wieder die Leberegelschnecke. Es wurde diskutiert, ob der Tümpel wieder reaktiviert werden könnte, da für die aktuelle Austrocknung wahrscheinlich die Reinigung des benachbarten Wege-Durchflusses verantwortlich ist. Eine Vorbedingung wäre daher die ordentliche Befestigung des Weges, damit dieser nicht durch das angrenzende Wasser in Mitleidenschaft gezogen wird.

In dem benachbarten nährstoffreichen Weiher (ehemaliger Fischteich) fanden sich eine große Zahl von Wasserorganismen, anhand derer die verschiedenen Anpassungen an den Lebensraum der Gewässer erläutert wurden. Es fanden sich viele Arten, welche Gewässer nur temporär besiedeln, ein Zeichen für häufig schwankenden Wasserstände und Austrocknung. Hierzu zählen vor allem die flugfähigen Wanzen wie die auf der Oberfläche lebenden Wasser- und Teichläufer (Gerris sp., Hydrometra sp.). Untergetaucht lebende Arten waren mit dem Gewöhnlichen Rückenschwimmer (Notonecta glauca) vertreten. Dieselbe Strategie verfolgen Wasserkäfer, wie der bereits erwähnte Schnellschwimmer, der Kugelschwimmer (Hyphydrus oratus), der Zwergschwimmer (Hydnoporus palustris) und ein Vertreter der Wassertreter (Haliplus sp.). Ebenso, aber nur während ihres Erwachsenen-Lebens, verfahren Insekten, die Gewässer nur während einer kurzen Entwicklungsphase als Larven besiedeln müssen. Hier wurden Zückmücken (Chironomus sp.), die Hausmücke (Culex pipiens), Eintagsfliegen (Cloeon dipterum) und Kleinlibellenlarven nachgewiesen. Weiter fanden sich mit der Gewöhnlichen Schlammschnecke (Radix ovata) und der Sumpfschnecke (Stagnicola glaber) noch zwei Mollusken. Eine Überraschung stellte der Fund der Bachflohkrebse dar (Gammarus sp.), die auf permanentes und recht sauberes, sauerstoffreiches Wasser angewiesen sind. Die Bedingungen finden sich anscheinend im untersuchten Weiher, der durch die permanente Beschattung der umgebenden Bäume im Jahresverlauf weder austrocknet noch sich zu stark aufheizt oder durch Algenwachstum gestört wird. Neben dieser Art zeigen die vorhandenen Tiere eine eher mäßige Wasserqualität an. Das Vorkommen der dreikantigen Wasserlinse (Lemna trisulca) betont den geringe Lichteinfall an, bietet in ihren dichten Matten aber hervorragenden Lebensraum für die gefundenen Arten. Als letzter Besiedlungstyp wurden Wasserflöhe als Vertreter der Planktonorganismen vorgestellt. Diese Tiere produzieren Dauereier, die durch den Wind überall hin verteilt werden können. Bei geeigneten Bedingung schlüpfen sie und vollenden selbst in kurzlebigen Gewässern ihren Lebenszyklus. Plankton ist allerdings aufgrund seiner geringen Größe und Mobilität auf stehende oder sehr langsam fließende Gewässer angewiesen.

Abschließend wurde die Messstelle kurz vor der Verrohrung am Sportplatz in Sulzheim aufgesucht. Es fanden sich keine Bachflohkrebse, aber zahlreiche Wasserasseln, die auf eine Verschlechterung der Wasserqualität gegenüber dem Oberlauf hindeuten. Bernsteinschnecken wurden in der Ufervegetation in großer Anzahl gefunden, zudem weitere Exemplare Köcherfliegenlarven.

Aussicht: Im Herbst findet in Sulzheim eine Abschlussveranstaltung unter der Beteiligung der Öffentlichkeit statt. Zu diesem Abschlusstermin sollen die bisherigen Untersuchungen in anschaulicher Art und Weise präsentiert werden. Dazu zählen die von Jan Ohl und Volker Söllner erhobenen Messwerte an verschiedenen Probeentnahmestellen, sowie eine Übersicht der im Michelstal durch die Exkursionen gefundenen Tiere und Pflanzen. Die Dokumentation soll den aktuellen Zustand des Gebietes veranschaulichen. Darüber hinaus sollen mögliche Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität vorgeschlagen werden.

Text: Dr. Axel Schönhofer (Leiter der Exkursion)

 

Gewässerorganismen im Juli 2014

Aufstellung von Dr. Axel Schönhofer

Probe vor Gemeindehalle Sulzheim, Ochsenbach 19.7.2014 leg. Axel Schönhofer

Ex. Taxon

2 Limnephilus sp. (Fam. Limnephilini, Köcherfliege)

3 Galba truncatula (Leberegelschnecke, quellbachtypisch = krenophil)

1 Potamopyrgus antipodarum (neuseeländ. Deckelschnecke, Neozooe)

1 Anacaena globulus (Wasserkäfer in Falllaub)

Probe Quellwiese, 16.7.2014 leg. Axel Schönhofer (=> viele Insekten: trocknet aus!)

Ex. Taxon

1 Tipula sp. (Schnakenlarve, fließ- und stillgewässertypisch)

7 Galba truncatula (Leberegelschnecke, quellbachtypisch = krenophil)

1 Landschnecke, überkrustet mit Kalk (nicht det.)

4 Anacaena globulus (Wasserkäfer in Falllaub, fließ- und stillgewässertypisch)

1 Sericostoma sp. (Quellbachköcherfliege, Köcher, quellbachtypisch = krenophil)

1 Oxycera sp. (cf., Stratiomyidae, kalkliebende Waffenfliegenlarve, quelltypisch = krenobiont)

1 Agabus guttatus (cf., Schwimmkäfer, quelltypisch = krenobiont)

2 Hydrobius fuscipes (Wasserkäfer, fließ- und stillgewässertypisch)

Probe Grasfroschteich Sulzheim, Ochsenbach 16.7.2014 leg. Axel Schönhofer

Ex. Taxon

1 Radix balthica / labiata (Schlammschnecke, fließ- und stillgewässertypisch)

3 Stagnicola sp. (Sumpfschnecke, stillgewässertypisch)

1 Landschnecke (nicht det.)

6 Tanypodinae Gen. sp. (Chironomidae, Zuckmücken, fließ- und stillgewässertypisch)

2 Chironomini (Chironomidae, Zuckmücken, fließ- und stillgewässertypisch)

1 Chironomiden-Puppe (Zuckmücken, fließ- und stillgewässertypisch)

2 Nepa cinerea (Wasserskorpion = Wanze, stillgewässertypisch)

2 Agabus sp. (Schwimmkäfer, meist stillgewässertypisch)

3 Gerris cf. lacustris (Wasserläufer = Wanze, stillgewässertypisch)

1 Notonecta glauca (Rückenschwimmer = Wanze, stillgewässertypisch)

3 Baetidae Gen. sp. (Eintagsfliegen, fließ- und stillgewässertypisch)

3 Daphnia sp. (Wasserfloh, stillgewässertypisch)

2 Haliplus sp. (Wassertreter = käfer, stillgewässertypisch)

1 Hydroporus sp. (Schwimmkäfer, stillgewässertypisch)

1 Hyphydrus sp. (Kugelkäfer = Wasserkäfer, stillgewässertypisch)

 




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