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Erlenwald und Zackenschötchen (Aufnahme von Dr. Axel Schönhofer)

Schwerpunkt der 1. Exkursion: Flora des Ochsenbachs im Michelstal im Bereich von der Gemeindehalle bis zur Sickerquelle

Botanischer Teil

Zu Beginn wurde ein getopftes Exemplar der sehr seltenen Gerstensegge gezeigt. Die Pflanze keimt auf Äckern um Sulzheim, wenn diese in besonders nassen Jahren überflutet werden. Da sie zwei Jahre benötig, um Samen zu bilden, werden die Vorkommen durch Umbruch im Folgejahr vernichtet, und die Art keimt nur noch aus der schon vorhandenen Samenbank. Für sie, wie auch andere Arten mit ähnlichem Lebenszyklus, sind angepasste Schutzprojekte in Abstimmung mit der Landwirtschaft notwendig.

Es wurde auf die Problematik der Orientalischen Zackenschote aufmerksam gemacht. Dieser Neophyt hat sehr tiefe Wurzeln und bildet reichlich und widerstandsfähige Samen. Die Pflanze ist nur schwer zu dezimieren und breitet sich aggressiv in bestehendes Grünland aus und entwertet dieses. Punktuell kann er ausgehackt werden, tritt er jedoch zu häufig auf, dann hilft oftmals nur ein Herbizid. Mehrmaliges Abmähen und frühzeitiges Entsorgen der Biomasse vor der Samenreife sind weitere Strategie. Fressfeinde sind hierzulande kaum bekannt, oder nicht in der Lage die Konkurrenzkraft der Art zu vermindern. Dass Neophyten allgemein bekämpft werden können zeigen Erfolge am Ochsenbachs hinsichtlich der Herkulesstaude, welche nahezu nicht mehr vorkommt.

Es werden verschiedene Typen der Wiesen und ihre charakteristischen Pflanzen vorgestellt.

Am Rande einer Streuobstwiese wurde ein ca. 1-2 Meter breiter Streifen umgebrochen. Auf solchen Standorten siedeln sich andere Arten an, als bei der fest geschlossenen Wiesengesellschaft der Streuobstwiese. Diese „Störanzeiger“ sind meist Ackerwildkräuter, unter anderem die Wollige Trespe, die violett blühende Zichorie und die Gewöhnliche Besenrauke mit besonders fein geschlitzten Blättern.

Unterhalb dieser Wiese Richtung Ochsenbach liegt eine Pferdekoppel, die im Gegensatz zur Streuobstwiese künstlich eingesät worden ist. Anzeiger hierfür ist der in Überproportion vorkommende Weissklee und der Kleinen Wiesenkopf und allgemeine Artenarmut. Pferdekoppeln können wertvoller und naturnäher gestaltet werden, wenn sie als naturnahe Wiese angesät werden. Jedoch sind manche Pflanzen für die Tiere giftig und aus diesem Grund vom Halter verständlicherweise unerwünscht. Ein Umbau artenarmer Wiesen kann durch Schaffen von Rohboden und gesteuerte Sukzession erfolgen.

Durch die Bemerkung einer Bürgers bezüglich Ackerrandstreifen wurde diskutiert, dass die Landwirtschaft Ackerrandstreifen nicht selten bis zum Wirtschaftsweg bewirtschaften und dadurch ein wertvoller Lebensraum abhanden kommt und die Wege seitlich zum Ausschottern und Abbrechen neigen.

Bereich unterhalb des Bachs Richtung Gau-Weinheim: Hier wurde eine stark verschilfte und nährstoffreiche Wiese begutachtet, auf der noch Restbestände darauf hindeuten, dass sie allgemein einmal artenreicheren und großflächigeren war. Neben dem dominanten Schilf fanden sich Pflanzengesellschaften aus Pastinak, Beinwell, Blutweiderich, Hahnenfuß, Geflügeltem Johanneskraut (nach der Roten Liste bedrohter Pflanzenarten als gefährdet eingestuft) und verschiedene Seggen und Binsen. Hier scheint eine Drainage gebrochen zu sein, weshalb der Acker seit Jahrzehnten stellenweise vernässt.

Die C4-Pflanze Schilf zeigt ein schnelles Wachstum und produziert dadurch eine große Menge organische Biomasse, die das System mit Nährstoffen anreichert und kaum noch andere Pflanzen durch den entstehenden Filz wachsen können. Eine Möglichkeit diesem Teilbereich der Wiese eine höhere floristische Vielfalt zu geben, wäre ein Abmähen und Entsorgen dieser Biomasse (durch die Luft kommen in der Größenordnung 50 kg N2/ha/a in das Ökosystem). Laut der Einschätzung von Dr. A. Schönhofer lohnt es sich diese Wiese zu pflegen, da die noch vorhanden Restbestände an Feuchtwiesen-Arten auf einen passablen und noch deutlich steigerbaren Artenreichtum hindeuten. Mulchen entzieht dem Standort nur bedingt Nährstoffe. Zwar ist die Fläche recht klein, jedoch könnte auch eine Beweidung ein Schritt in die richtige Richtung sein. Da die Fläche Jagdlich genutzt und bereits teilweise gemulcht wird, sollten entsprechende Absprachen erfolgen.

Große Wiese unterhalb der Sickerquelle des Ochsenbaches: Die Fläche weißt verschiedene Sukzessionsstadien auf. Am Ende der Fläche ist ein Rechteck mit Chinagras als Energiepflanze vorhanden, links und rechts ist diese Fläche von Gehölzstrukturen eingesäumt. Beim Weg dorthin wurde beobachtet, dass an den Orientalischen Zackenschoten regelmäßig Schmetterlingsraupen sitzen, allerdings konnten keine größeren Schäden an den Pflanzen entdeckt werden. Vielleicht ist dies ein erster evolutionärer Schritt hin zu der Anpassung eines Schmetterlings an diesen Neuankömmling, der auch dessen Aggressivität als Neophyten dämpft. Hier sind weitere Beobachtungen notwendig.

Auf der Wiesenfläche wurde auf besonders mageren Stellen die hohe Zahl an Schmetterlingsblütlern gezeigt. Diese Pflanzen besitzen an ihren Wurzeln besondere Knöllchen, und können durch die in ihnen lebenden Bakterien Stickstoff aus der Luft gewinnen und dadurch an solch konkurrenzschwachen Standorten besser zurechtkommen. Eine dieser Arten ist die stark gefährdete Ranken-Platterbse, normalerweise ein Ackerunkraut. Auch Vorkommen der Ackerkratzdistel im Wiesenmosaik deuten die noch recht junge Entwicklung dieses Wiesenstückes an.

Auf dem Getreideacker oberhalb der Sickerquelle kommt im Bereich gebrochener Drainage oder Sickerhorizonte die Kugelfrüchtige Binse vor, die ähnliche Lebensräume bevorzugt, wie die eingangs erwähnte Gerstensegge. Beide Arten stehen auf der Roten Liste und sind Arten, für deren Erhalt Deutschland eine Verantwortung besitzt. Der „Quelltopf“ (ein in den als flachen Drainagegraben angelegten Bachlauf eingegrabener Topf) führte kein Wasser. Allerdings wurden bei der Voruntersuchung Lebewesen festgestellt, die permanenten Wasserfluß zum Überleben benötigen. Das Rätsel löste sich durch Begutachtung der Schilfnahen Wiesenbereiche, die breitflächig von Wasser bestanden und sogar Wasserströmung erkennen ließen. Es fanden sind bei nur kurzer Begutachtung Schnecken, Wasserkäfer und Insektenlarven, die wahrscheinlich bei stärkerer Wasserführung von hier bis in den „Quelltopf“ zu wandern vermögen. Solche großflächigen Wiesen-Sickerquellen sind selten und bedürfen weiterer Beobachtung.

Auf dem Rückweg von der Quelle zum Ausgangspunkt wurde die Überquerung unterhalb des „Weihers“ aufgesucht. Der auf der Vorexkursion angestaute Weiher, Laichplatz für den Grasfrosch, war fast ausgetrocknet, vermutlich aufgrund der Reinigung des Durchflusses. Der „Gifthahnenfuß“ war auf dem Schlammboden zu finden. Eine Wiedervernässung könnte den Artenreichtum fördern und vor allem das Laichbiotop erhalten. Hierfür bedarf es der richtigen Befestigung des Weges, der als Damm die darüber liegende Fläche aufstaut. Er muss für die Landwirtschaft befahrbar sein, darf daher nicht verschlammen und vernässen, um die Reinigung des Durchflusses unnötig zu machen. Eine Absprache mit der Landwirtschaft über das richtige Vorgehen ist hier wichtig.

Im Innern des Bruchwalds findet sich eine für das innere Rheinhessen ungewöhnliche Pflanze, nämlich die „Kohldistel“. Sie ist in Deutschland allgemein verbreitet und streckenweise häufig, fehlt aber in unserer Region auffallend, bis auf dieses isolierte Vorkommen. Sie ist ein Zeiger für feuchte, nährstoffreiche Wiesen und ein Weideunkraut. Ihre Abwesenheit ist ein Indiz, dass Wiesen dieser Art einst häufiger waren. Sie wurden aufgrund ihrer guten Nährstoffversorgung bis auf solche Reste ackerfähig gemacht. Zum Abschluss wurde die Problematik bezüglich des Klettlabkrauts erläutert. Für die Landschaftspflege ist der Umgang hiermit besonders aufwendig.

Zum ornithologischen Teil:  Folgende Arten konnte man beobachten:

Nachtigal, Turteltauben, Mäusebussard, Kuckuck, Turmfalke, Fasan, Pirol, Rebhuhn, Amsel, Krähen, Spatz

Text: Dr. Axel Schönhofer (Leiter der Exkursion)

 



Das Foto zeigt Dr. Axel Schönhofer (Aufnahme von Dorian Depue)




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