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Einladung zur Abschlussveranstaltung des BUND-Wasserläuferprojektes:

"Quellen und Oberlauf des Ochsenbaches bei Sulzheim" - Vorstellen der Ergebnisse mit anschließender Diskussion

Wir möchten Sie sehr herzlich im Namen des "Wasserläuferteams", des BUND Alzeyer Land und des AGENDA-BUND Mensch & Natur zur Präsentation der Ergebnisse des BUND-Wasserläuferprojektes "Quellen und Oberlauf des Ochsenbachs bei Sulzheim" mit anschließender Diskussion am

Samstag, 22. November 2014 von 18.00 bis ca. 20.00 Uhr in den Gemeindesaal Sulzheim (Hauptstr. 3, 55286 Sulzheim) einladen.

Quellen und Oberläufe von Bächen sind besondere Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Der Schutz von Quellen ist daher ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Im BUND-Wasserläuferprojekt werden Quellen in verschiedenen Gebieten in Rheinland-Pfalz genauer unter die Lupe genommen. Der Oberlauf des Ochsenbachs und seine Quelle im Michelstal bei Sulzheim wurden 2014 im Rahmen des Projektes von ehrenamtlichen "Wasserläufern" und mit fachlicher Unterstützung untersucht. Dieses Quellgebiet ist eines der wenigen Feucht- und Sumpfgebiete in der Region und daher besonders schützenswert. Zahlreiche und zum Teil in Rheinhessen sehr seltene Tier- und Pflanzenarten, wie zum Beispiel die Kohldistel oder der Drosselsänger, finden bzw. fanden hier ihren Lebensraum. Das Michelstal ist auch bei Wanderen und Spaziergängern ein sehr beliebtes Naherholungsgebiet.

Im Rahmen von öffentlichen Exkursionen fanden im Projektgebiet floristische und faunistische Bestandsaufnahmen (teilweise seit 1996) sowie chemische und physikalische Untersuchungen des Gewässers statt. Der Ochsenbach wurde alsdann in den Quellatlas Rheinland-Pfalz eingetragen.

Am 22. November werden die ausgewerteten Ergebnisse des Wasserläufer-Projektes am Sulzheimer Ochsenbach der Öffentlichkeit vorgestellt. Anschließend werden Maßnahmen und Strategien zur ökologischen Aufwertung des Gebietes vorgeschlagen, die in großer Runde diskutiert werden können. Mittel für Renaturierungsmaßnahmen stehen aus dem Projekt-Programm zur Verfügung!

Für das leibliche Wohl wird an diesem Abend bestens gesorgt sein.

Auf Ihr Kommen und Ihre Meinungen freut sich das engagierte Wasserläuferteam:

  • Leonie Hebermehl (stellvertr. Kreisgruppenvorsitzende des BUND Alzeyer Land)
  • Volker Söllner (Sprecher des AGENDA-BUND Mensch & Natur der VG Wörrstadt)
  • Dr. Siglinde Gramoll (BUND Rheinland-Pfalz, Wasserläufer-Projektleitung)
  • Dr. Axel Schönhofer (Biologe, fachliche Betreuung)
  • Jan Ohl (Oberstufenschüler, chem. und physikal. Untersuchungen im Rahmen einer schulischen Arbeit)
  • Dorian Depue (Umweltschutzingenieur FH Bingen, Projektkoordinierung Ochsenbach)


Programm der Abschlussveranstaltung am 22.11.14:

18:00 Uhr: Begrüßung, Ulf Baasch, Ortsbürgermeister Sulzheim; Einführung, Dr. Siglinde Gramoll und Volker Söllner

18:30 Uhr: Das Wasserläuferprojekt 2014 am Ochsenbach im Michelstal Rückblick und Erkenntnisse aus der Exkursionsreihe, Dorian Depue

18:45 Uhr: Präsentation der Ergebnisse der Gewässergüteuntersuchungen, Jan Ohl

19:00 Uhr: Wertvolles Michelstal – Ökologische und kulturelle Bedeutung des Michelstals, Gefährdungsfaktoren und Vorstellung geeigneter Maßnahmen zum Erhalt des Quell- und Feuchtgebietes, Dr. Axel Schönhofer

19:30 Uhr: Offene Diskussionsrunde – Zeit für Fragen, Anregungen und Kritik im Austausch mit den Experten

Stichworte der Abschlussveranstaltung am 22.11.14

Exkursionsreihe 2014 - Rückblick und Ergebnisse (Dorian Dépue)

  • Exkursionen 2014: März 2014: Vorabexkursion, April 2014: Vogelstimmenwanderung, Mai 2014: floristische Exkursion, Juni 2014: Quellkartierung, Juli 2014: Exkursion zur Gewässerökologie
  • Starker Rückgang der Zahl der Vogelarten und Bestandsdichte seit 1996 (dokumentiert). Beispiele: Kiebitz (auf Feuchtgebiete angewiesen), Rohrsänger (brauchen Schilfbestände), Feldsperling, Rohrweihe, etc. Vögel der Agrarlandschaften sind bundesweit am stärksten bedroht
  • Abwechslungsreiche Strukturen im Michelstal fördern Artenvielfalt (Wiesen, Nasswiesen mit geflügeltem Johanneskraut, Großseggenriede, Auenwald, etc.)
  • Organismen des Quellbereichs indizieren gute Wasserqualität z.B. Bachflohkrebs
  • Artenreicher Weiher
  • Indikator-Organismen zeigen leichte Verschlechterung der Wasserqualität vor Verrohrung am Sportplatz

Untersuchungsergebnisse der Gewässergüteuntersuchungen (Jan Ohl)

  • Messung an 6 verschiedenen Messstationen (0-6): Brunnen oberhalb der Gemeindeweide (0), an der Quelle des Ochsenbachs (1), vor dem Weiher (2), südlich des Weihers (3), Hybridpappelwald (4), vor der Verrohrung (5)
  • Vorstellung des Temperaturverlaufs
  • Vorstellung der Pegelstände
  • Vorstellung der chemischen Parameter:Nitrat: März 20 mg/l, April 10 mg/l. Mögliche Ursache Ausschwemmung oder Düngung im Frühling. Insgesamt verhältnismäßig niedrige Werte;pH-Wert: gesundes Niveau, leichte Erhöhung zwischen März und Juli. Kalkreiches Wasser als pH-Puffer, Ammonium: 0,2-0,3 mg/l, keine Belastung festzustellen;Nitrit: Wert beinahe 0. Keine Belastung festzustellen.

Bedeutung des Michelstals, Maßnahmen zur Verbesserung (Dr. Axel Schönhofer)

  • Naturnahes, strukturreiches Gebiet mit großer Bedeutung für genetische Vielfalt, diverse Arten und Naherholung
  • Eines der wenigen naturnahen Gebiete in Rheinhessen
  • Besondere Arten: Sumpfdotterblume, Kohldistel, Gerstensegge, Kugelfrüchtige Binse
  • Gewässer selbst, Feuchtlandbereiche und Pufferzonen (Wiesen im Umland) sind zu erhalten
  • Gefährdungsfaktoren: Neophyten (insbes. Orientalische Zackenschote, Topinambur als Wildfutter), verschilfte Nasswiesen, Gefahr des Austrocknens
  • Maßnahmenvorschläge: Ackerrandstreifen einhalten (Puffer zwischen Acker und Gewässer); Wasserhaltekapazität erhöhen (Verringerung des V-Profils durch Schwellen und Baumstämme, stark Wasserzehrende Bäume wie bspw. Fichten entfernen); neue Kopfweiden pflanzen (Lebensraum für 200 Insektenarten, Fledermäuse, Steinkauz);Mähen/Mulchen der Nasswiesen; Unter-Schutz-Stellung um langfristig Bebauung zu verhindern

Diskussionsrunde

  • Über die letzten Jahrzehnte ist zu beobachten, dass das Tal trocken fällt. Schilfbestände stark verkleinert, Vogelarten sind verschwunden, Bestandsdichten zurückgegangen.
  • Folgende Maßnahmenvorschläge wurden während der Exkursion zusammengetragen: Den Weg vor dem Tümpel höherlegen, um Wasser zurückzuhalten; Kleinstgewässer schaffen; Mulchen der Nasswiese (wird kritisch gesehen wegen Anreicherung von Nährstoffen); Bekämpfen der Neophyten; Kleine Pflegeflächen in Nasswiese anlegen (200qm) zur Entwicklungskontrolle; Landkauf; Schutzgebietsausweisung
  • Ein Großteil der Flächen befindet sich in Besitz der Familie Weiß. Seit 1970er Jahren wurden durch private Bemühungen Aufforstungen vorgenommen, Streuobstwiesen gepflanzt, Weiher und Tümpel angelegt. Die Nasswiese befindet sich in Pacht.
  • Für konkrete Maßnahmen stehen Gelder aus dem Projekt zur Verfügung
  • Vorschläge für Maßnahmen: Anlage eines weiteren, offenen Weihers (andere ökologische Bedingungen); weitere Nassflächen schaffen; ggf. bestehenden Tümpel vergrößern oder vorm Austrocknen bewahren; Flächenankauf im vorderen Michelstal und Gebiet vernässen lassen, Wasser aufstauen lassen
  • Ochsenbach wird größtenteils von angebohrten Drainagen aus der Zeit vor den 1930ern gespeißt, deren Lage und Zustand heute vergessen ist. Vermutlich handelt es sich um 3 Zuflüsse. Periodisches Trockenfallen ist zu beobachten.
  • Auf anderen landwirtschaftlichen Flächen in Sulzheim ist starker Schilfwuchs zu beobachten (unterhalb der Klärgrube). Das Schilf auf der Gemeindeweide ist hingegen verschwunden.
  • Auch im unteren Bachverlauf herrschen quelltypische Eigenschaften (kaltes Wasser, Quellorganismen), was die Theorie eines künstlichen Zuflusses in Form von Drainagen bestätigt = Sekundärquelle
  • Möglicher Zielkonflikt zwischen Nutzern (Landwirten) und Naturschutzinteressen
  • Michelstal wurde seit den 80er Jahren immer wieder gefördert (z.B. Bachpatenschaften). Das Projekt sollte in Dialog mit den Besitzern weitegeführt werden, ohne Maßnahmen gegenseitig zu boykottieren.
  • Welche Folgen hätte die Ausweisung als Schutzgebiet? Jagdliche Einschränkungen? Vorteile als Grundstücksbesitzer?
  • Eine Ausweisung zum Schutzgebiet ist nicht primär mit Vorteilen für den Eigentümer der Flächen verbunden. Vorteil herrscht für Allgemeinheit. Aber: Pflege und Erhaltungskosten könnten ausgeglichen und finanziert werden.
  • Nutzungsbeschränkungen existieren nicht. Sinnvoller als NSG wäre die Ausweisung eines LSG oder das Ausweisen der Kernzone als NSG und der darum liegenden Flächen als LSG
  • Was wird genau finanziert? Welche Zuschüsse gibt es vom Land?
  • Fachliche Beratung wird finanziert (z.B. Schönhofer, Schindler)
  • Primär müssen Maßnahmen diskutiert und Einigkeit gefunden werden, dann kann Finanzierung gesichert werden.
  • Die Projektgruppe wird für 2015 einen Plan über das weitere Vorgehen besprechen und ist weiterhin an der Koordination und Betreuung des Projekts beteiligt.



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